Am Ostersonntag gegen Mittag startete die zweite und letzte Etappe der Baja Saxonia 2011 bei sehr sonnigen und warmen Wetter. Die bereits am Vormittag von der Strecke zurückkehrenden Motorrad- und Quad-Fahrer berichteten von einer sehr schnellen Etappe. Schlamm oder Wasserlöcher, die es im Vorjahr zur Genüge gab, waren aufgrund der lang anhaltenden Trockenheit nicht vorhanden. Somit gab es entweder tiefen, weichen Sand oder trockene, festgefahrene Wege. Sicher hatte der Autor des Roadbooks für diese Etappe wieder mindestens eine kleine “Gemeinheit” eingebaut, so wie es am Vortag ein etwas versteckter CP war, der nur bei sehr genauer Einhaltung eines Kompasskurses zu finden war. Wir waren eines von nur sehr wenigen Teams, die diesen CP gefunden hatten, was ja Ursache für unsere unerwartet gute 7. Platzierung im Ergebnis der ersten Etappe war. Unser darauf natürlich berechtigt stolzer Navigator Peter hätte sich am liebsten von einem im Fahrerlager anwesenden Werbeunternehmen “CP-Finder” oder “Ich hab alle CP’s gefunden!” auf sein T-Shirt drucken lassen.
Vielleicht davon etwas zu stark motiviert gingen wir gleich zu Beginn der zweiten Etappe einen Kompasskurs zu leichtfertig an. Im tiefen Sand, optisch eine Mischung aus Sahara-Dünen und sibirischem Birkenwäldchen, wurde es ziemlich eng und als der ausgefahrene Weg plötzlich weg war meinte Peter, der inzwischen ausgestiegen war um sich einen besseren Überblick über die Lage zu verschaffen, dass ich einfach mal so mit unserem gut 2,3 Tonner über einen Dünenkamm hüpfen sollte, um unten wieder auf einen ausgefahrenen Weg zu kommen. Ja nix war mit hüpfen, wir saßen komplett auf Sand und alle Räder drehten ganz nach Lust und Laune mal hier und da durch. Die Räder, die nicht in der Luft hingen, gruben uns dann noch tiefer in unsere verzweifelte, aussichtslose Lage ein. Peter begann sogleich wie wild hier und da mit der Schaufel zu graben und hoffte uns somit zu befreien. Er hat wirklich gekämpft und gegraben wie ein Mann - als wollte er seine Entscheidung hier so tief wie möglich eingraben, jedoch vergeblich. Musste uns die Winde wieder mal helfen? Leider hatten wir keine Zeit zu warten, bis aus den rund um uns stehenden, dünnen Birken mal stattliche Bäume geworden sind. Keine Möglichkeit zum Ansetzen der Winde, bis auf eine wenigstens etwas dickere Tannengruppe - aber gleich beim ersten Versuch zog es nicht etwa unseren YellowCruiser zur Tanne, sondern die Tannen kam schön langsam auf mich zu. Umsonst, Bäume fällen wollten wir hier eigentlich nicht!
Zum Glück erschien wie gerufen ein Unimog auf dem etwa drei Meter unter uns befindlichen Weg und stoppte als wir winkend auf uns aufmerksam machten - Windenseil eingehangen und nach wenigen Sekunden hatten auch wir wieder einigermaßen festen Boden unter den Rädern. Trotzdem, so 15 bis 20 Minuten waren verloren. In der dritten Runde dann ein gewaltiges Feuer vor uns, schwarzer Rauch und riesige Flammen stiegen auf. Einige Fahrzeuge hielten bereits. Eines der führenden ORC-Teams hatte sich überschlagen und das Fahrzeug war wohl nur Sekunden nach dem Überschlag sofort in Flammen aufgegangen. Zum Glück konnte sich das Team in letzter Sekunde und ohne ernste Verletzungen retten. Das Feuer sah gewaltig aus, der erste Eindruck war hier brennt eine Tankstelle! Inzwischen schlossen weitere Teams von hinten auf und auch Feuerwehr und Rettungskräfte rückten an. Jedoch war von dem brennenden Mercedes G nichts mehr zu retten, nur ein ausgebrannter Klumpen blieb übrig. Ganz schön krass - da macht man sich schon so seine Gedanken über das was wir hier so treiben …
Das Rennen wurde hier angehalten, ging aber nach einigem Warten - schätzungsweise 30…40 Minuten - wieder los. Die Rennunterbrechung sollte uns dann später jedoch noch ganz schön zu Schaffen machen, Thema Reglement …
Während der folgenden drei Tagebau-Runden häuften sich mehr und mehr Fahrzeuge, die mit technischen Defekten wie zum Beispiel komplett abgerissenen Rädern am Streckenrand standen. Ich drückte die Daumen, dass unser Toyo senkrecht und haltbar über die Strecke kommt. Abgesehen von diversen Streckenabschnitten mit Sichtweiten zwischen 50 und Null Metern aufgrund schwarzer Kohlestaub- oder Sandwolken, was einige wohl geisteskranke Teams nicht von riskanten Überholmanövern bei voller Geschwindigkeit abhielt, gab es zum Glück keine größeren Probleme.
Am Ende des Rennens fuhren wir ca. fünf Minuten nach 19:00 Uhr durch den letzten CP und nur eine Minute später durch’s Ziel, wobei man uns und all den vielen noch nach uns ankommenden Teams dort ganz relaxt mitteilte, das das Rennen planmäßig 19:00 beendet wurde. Hallo, wie bitte? Da stehen wir ewig an einer Unfallstelle, kommen dann gut durch die gesamte Etappe und dann fehlt uns plötzlich einfach mal so völlig unverschuldet ein CP (=eine Stunde Strafzeit) und die Zieldurchfahrt (= noch eine Stunde Strafzeit). Das ist ja wohl der Hammer! Großzügig hat man allen Teams 44:30 Minuten Zeitbonus für die Rennunterbrechung gutgeschrieben, aber uns und über dreißig weiteren Teams - also fast die Hälfte der bei dieser Etappe noch im Rennen befindlichen Teams -hat man quasi vor der Nase das Rennen beendet und die Strafzeiten auferlegt. Pech gehabt, wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. Wir - und auch sehr viele andere Teilnehmer, darunter echte “Rennhasen” - fanden diese Entscheidung massiv unsportlich, zumal es von der Rennleitung dazu weder im Verlaufe des Rennens noch danach eine offizielle Information gab.
Mit all den Strafzeiten kamen wir in der zweiten Etappe auf Platz 35, was ja grundsätzlich auch nicht so schlecht ist. Ohne die zwei Strafstunden sähe das aber noch deutlich besser aus. Als dann fast gegen Mitternacht die Gesamtergebnisse, also zusammengefasst aus erster und zweiter Etappe, veröffentlicht wurden, konnten wir uns trotzdem riesig und unerwartet über einen 13. Platz freuen!
Platz 13 bei dieser hochkarätigen Konkurrenz und dem riesigen Teilnehmerfeld! Etliche “alte Hasen” mit richtig hochgezüchteten Fahrzeugen, riesigen Service-Crews, tonnenweise Material im Team-eigenen Service-Truck und finanziellem Background in Größenordnungen über unserem Anfänger- und Low-Budget-Niveau, hatten wir mit unserem seriennahen YellowCruiser weit hinter uns gelassen! Und das obwohl wir in der ersten Etappe umgekippt waren und in der zweiten Etappe reichlich Zeit auf der Sanddüne im Birkenwäldchen und dann auch noch aufgrund des komischen Reglements verloren hatten!
Ist doch nicht schlecht für den Anfang, oder?
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